Bettwanzen breiten sich wieder aus


Dazu im Folgenden ein Auszug aus der Novelle "Die drei gerechten Kammacher"  von Gottfried Keller (1819 - 1890)
...Dann heftete er er sein Auge auf die Gegend (Wand) zunächst seinem Gesicht und betrachtete da die kleineren Gegenstände, welche er schon tausendmal betrachtet wenn er des Morgens oder am Abend noch bei Tageshelle im Bett lag und sich seines seligen, kostenfreien Daseins erfreute. Da war eine beschädigte Stell in dem Bewurf, welche wie ein Land aussah mit Seen und Städten, und ein Häufchen von groben Sandkörnern stellte eine glückselige Inselgruppe vor; weiterhin erstreckte sich eine lange Schweinsborste, welche aus einem Pinsel gefallen und in der blauen Tünche stecken geblieben war; denn Jobst hatte im letzten Herbst einmal ein kleines Restchen solcher Tünche gefunden, und, damit es nicht umkommen sollte, eine Viertelswandseite damit angestrichen, so weit es reichen wollte, und zwar hatte er die Stelle bemalt, wo zunächst im Bett lag. Jenseits der Schweinsborste aber ragte eine ganz geringe Erhöhung, wie ein kleines blaues Gebirge, welches einen zarten Schlagschatten über die Borste weg nach den glückseligen Inseln hinüberwarf. Über dies Gebirge hatte er schon den ganzen Winter gegrübelt, da es im dünkte, als ob es früher nicht dagewesen wäre. Wie er nun mit seinem traurigen, duselndem Auge dasselbe suchte und plötzlich vermißte, traute er seinen Sinnen kaum, als er statt deselben einen kahlen Fleck an der Mauer fand, dagegen sah, wie der winzige blaue Berg nicht weit davon sich bewegte und zu wandeln schien. Erstaunt fuhr Jobst in die Höhe, als ob er ein blaues Wunder sehe, und sah, dass es eine Wanze war, welche er also im vorigen Herbst achtlos mit der Farbe überstrichen, als sie schon in Erstarrung dagesessen hatte. Jetzt aber war sie von der Frühlingswärme neu belebt, hatte sich aufgemacht und stieg eben in diesem Augenblick mit ihrem blauen Rücken unverdrossen die Wand hinan....  
Bettwanzen  (Cimex lectularius L.)
Nach dem zweiten Weltkrieg war Bettwanzenbefall nur noch vereinzelt in Strafvollzugsanstalten, Obdachlosenheimen oder Asylbewerberwohnungen aufgetreten. Durch die Globalisierung und der damit verbundenen Reisefreudigkeit, sind Bettwanzenbefälle (Infestationen) enorm angestiegen. Dabei werden weniger die Bettwanzen, sondern meist die, in allerlei gebrauchten Gegenständen, abgelegten Eier der Bettwanzen eingeschleppt. Auch der internationale Internethandel leistet hier seinen Beitrag.
Von weiteren Möglichkeiten der Einschleppung ins eigene Heim berichtet der Zoologe, Prof. Dr. Karl von Frisch ( * 1886 in Wien; † 12. Juni 1982 in München) in seinem Buch "Zehn kleine Hausgenossen" :
"Sie (die Bettwanzen) sind nämlich keineswegs nur auf das Blut von Menschen erpicht, sie befallen auch Katzen und Hunde, Mäuse und Ratten, Fledermäuse und Kaninchen. Auch an Stare, Spatzen und Schwalben gehen sie....  Man hat sogar einmal beobachtet, daß Bettwanzen von einem freistehenden Taubenschlag, auf dem eine Stütze für Fernsprechdrähte angebracht war, als unerwünschte Seiltänzer über die Drähte nach einer anderen Wohnung gewandert sind".
Die Bettwanze ist ein nachtaktiver, flugunfähiger,  jedoch noch Flügelstummel besitzender, Ektoparasit und lebt vorzugsweise in Schlafzimmern. Dort nistet sich die Bettwanze in Fugen, Ritzen, kleinen Löchern, hinter Bildern, auch hinter Tapeten ein, was ihr den Beinamen "Tapetenflunder" einbrachte. Beide Geschlechter, vom Ei über die Larve bis zum erwachsenen Tier, leben gesellig in ihren Verstecken. Die Nahrung nehmen sie jedoch als Einzelgänger auf, wobei sie auch längere Strecken mit bis zu 1,25 m in der Minute zurücklegen.
Mehrere Berichte des UBA (Umweltbundesamt) über Bettwanzen
Wikipedia-Beitrag zur Bettwanze

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